Montag, 6. Juni 2011

Westen bei Solarzellen abgehängt

Schon heute hat die Volksrepublik mehr installierte Turbinen als jedes andere Land. Allein 2010 stieg die Kapazität um 60 Prozent. Außerdem ist China der größte Produzent von Solarzellen, mit einem Weltmarktanteil von 30 bis 45 Prozent, so eine Studie des World Resources Institute (WRI). 90 Prozent davon wird bereits exportiert - sehr zur Sorge westlicher Konkurrenten, die ihre Position als Vorreiter in Umwelttechnologien plötzlich gefährdet sehen.
Dabei ist umstritten, ob Chinas Hightech-Glaube die Probleme tatsächlich lösen kann, oder nicht viel eher neue schafft. Kritiker werfen Peking vor, lieber am großen Rad zudrehen als an kleinen Schrauben. "Echte Begeisterung für den Umweltschutz entwickelt die Regierung nur dort, wo sich alles um spektakuläre Technologien handelt mit denen sich viel Geld verdienen lässt", sagt der Politologe Zhao Litao. So mag China heute zwar als weltweit führende Nation im Bau von Wasserkraftwerken gelten, doch der Preis dafür ist hoch, wie vor allem das ökologische Desaster des Drei-Schluchten-Staudamm belegt.
Berücksichtige man den Aufwand für den Bau von Staumauern, die Umsiedlung von Millionen Menschen und andere Umweltauswirkungen, seien "Wasserkraftwerke in gewisser Hinsicht viel verschmutzender als Kohlekraftwerke", sagte kürzlich Ling Jiang, Vize-Direktor der Abteilung für Verschmutzungskontrolle im Pekinger Umweltministerium. Ähnliche Kritik gibt es an Windfarmen: Häufig würden die Turbinen in Regionen gebaut, die nicht dafür geeignet seien, weil es nicht genug Wind gebe oder Wüstensand die Getriebe schnell zerstöre.
"Oft werden Windparks nur gebaut, weil es eine politische Vorgabe ist", sagt Ökonom Yang. "Dass Peking die Devise grüne Technologien ausgegeben hat, verpflichtet jede Provinz dazu, ihren Gehorsam mit Vorzeigeprojekten unter Beweis zu stellen."
Auch Chinas Weltmarktführung im Solarzellenbereich ist umstritten. Die bei der Herstellung verwendeten Chemikalien verursachten vielerorts ihrerseits zu große Umweltschäden, klagt der Umweltaktivist Ma Jun. "Wenn Chinas Initiative für neue Energie weiterhin dem alten Entwicklungspfad folgt, bei dem Wirtschaftswachstum auf Kosten von Umwelt und Ressourcen generiert wird, dann ist das kein Grund für Zuversicht." Ma glaubt, China könne vielmehr erreichen, wenn die Behörden umweltbelastende Investitionsprojekte verbieten oder sicherstellen, dass Fabriken keine vergifteten Abwässer in Flüsse leiten.

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