Donnerstag, 16. April 2009

Versorger wollen Strompreise nicht senken

Die Mehrheit der deutschen Stromversorger will ihre Preise dieses Jahr einer Umfrage zufolge nicht senken. Auch wenn die Beschaffungskosten für die Unternehmen zuletzt gefallen sind, erwäge nur ein Bruchteil der befragten Unternehmen, die Strompreise in den kommenden Monaten zu senken.
Fast 60 Prozent der befragten Unternehmen rechneten mit unveränderten Stromtarifen, ein Drittel erwarte weiter steigende Preise, zitierte die "Financial Times Deutschland" am Mittwoch aus einer Studie in Zusammenarbeit mit der Personalberatung Russell Reynolds Associates.
Demnach erwägt nur ein Bruchteil der befragten Versorger Preissenkungen. Dies stehe im Gegensatz zu den sinkenden Beschaffungskosten für Energierohstoffe. So seit etwa der Preis für Kraftwerkskohle nach Daten des Hamburger Energieinformationsdienstes EID zuletzt um 26 Prozent gefallen. Auch andere Rohstoffe wie Erdgas haben sich deutlich verbilligt.

Die "FTD" und die Personalberatung befragten nach eigenen Angaben 37 Versorger aller Größen vom Stadtwerk bis zum Verbundkonzern. An der Umfrage nahmen demnach auch die größten deutschen Versorger E.ON, RWE und EnBW teil.

Sonntag, 5. April 2009

Großverbraucher geben Strom zurück

Die Rezession erreicht die Stromerzeuger. Produktionseinbrüche bis zu einem Drittel in vielen Branchen wie der Stahl- und Autoindustrie zwingen immer mehr Großverbraucher von Strom dazu, auf die Abnahme von 2008 bereits fest eingekaufter Energie zu verzichten.

"An eine komplette Abnahme der vertraglich vereinbarten Strommenge ist nicht zu denken", sagte ein Manager eines der größten Verbrauchers im Rheinland. "Wir sind mit einigen Großkunden dazu im Gespräch", sagte ein RWE-Sprecher.

Bisher fühlten einige Energieversorger sich immun gegen den Abschwung. "Unser Geschäftsmodell ist wetterfest", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann Ende Februar. 2009 werde ein gutes Jahr: "Das können wir schon jetzt mit reinem Gewissen sagen, weil wir fast unsere komplette Stromproduktion für 2009 zu festen Preisen auf Termin verkauft haben."

Dieses System, im Branchenjargon "Take or Pay", könnte sich jetzt als Bumerang erweisen. Eigentlich soll es beiden Seiten Sicherheit geben. Den Verbrauchern ermöglicht es, mit vorab zugesicherten Strompreisen zu kalkulieren. Die Erzeuger wiederum können Strombeschaffung und Kraftwerke optimal steuern. Deshalb sind Abweichungen von den vereinbarten Mengen nur in engen Grenzen üblich. Das funktioniert zu normalen Zeiten, doch drastische Verbrauchseinbrüche wie gegenwärtig sind dabei nicht vorgesehen. "Den Fall hat niemand eingeplant", sagte ein Sprecher der VIK, einer Lobby großer Energieabnehmer.

Die Stromkonzerne spielen die Folgen herunter. "Momentan ist das noch kein so großes Problem", sagte ein Eon-Sprecher. Dagegen glauben externe Beobachter nicht, dass die Erzeuger ungeschoren durch die Krise kommen: "Auch die deutschen Stromversorger werden mit Einbußen rechnen müssen", sagte Ralf Ridzewski von der Energiekostenberatung NUS Consulting.

Bei RWE heißt es: "Wir versuchen alles, um den betroffenen Kunden entgegenzukommen." So biete der Konzern an, Verbrauchern bei der Vermarktung überschüssigen Stroms zu helfen. Viele Großkunden versuchen auch auf eigene Faust, nicht benötigte Mengen über die Leipziger Strombörse EEX loszuschlagen, beobachtet Ridzewski: "Im Moment wird der Markt mit zurück gegebener Energie geflutet."

Folge sind sinkende Preise. So kostete eine Megawattstunde sofort verfügbaren Stroms für die normalerweise besonders teure Spitzenlast gestern an der EEX 42,38 Euro. Im Herbst 2008 waren zeitweise über 150 Euro fällig. Auch langfristig vorbestellter Strom für die Basisversorgung zur Lieferung im kommenden Jahr ist an der Börse billiger geworden. Kostete die Megawattstunde im Juli 2008 fast 90 Euro, waren es Anfang dieser Woche 48,32 Euro.

Der Preisverfall verschärft das Problem für Kunden, die mit zu großen Mengen dastehen. Sie müssen die Preisdifferenz tragen, selbst wenn sie andere Abnehmer finden. "Der Kunde hat Anspruch, dass wir liefern. Im Gegenzug müssen wir die Sicherheit haben, dass die Ware bezahlt wird", sagte der RWE-Sprecher.

Als Alternative bieten die Stromlieferanten oft eine Verschiebung des Bezugszeitraums in die kommenden Jahre an. Auch dabei soll freilich der ursprünglich vereinbarte Preis gelten. Privathaushalte dürften deshalb von den sinkenden Börsenpreisen auf absehbare Zeit kaum profitieren, denn auch viele Stadtwerke haben sich 2008 langfristig mit teurem Strom eingedeckt. Allerdings gehen die Stromerzeuger ebenfalls Risiken ein. So wächst die Wahrscheinlichkeit von Kundenpleiten. Die Auskunftei Creditreform hat für 2009 bis zu 35.000 Insolvenzen prognostiziert. "Je mehr Kunden um individuelle Regelungen bitten, desto restriktiver werden sich die Versorger verhalten", erwartet Ridzewski.

Mittwoch, 1. April 2009

Gehrlicher wächst kontinuierlich weiter

Im März dieses Jahres hat die Gehrlicher Solar AG an ihren deutschen und europäischen Standorten elf neue Mitarbeiter eingestellt. Diese werden vor allem die Teams Vertrieb und Projektentwicklung in München, den Anlagenbau in Neustadt bei Coburg sowie das Vertriebsteam in der spanischen Niederlassung verstärken. Damit wächst Gehrlicher kontinuierlich weiter: „Die Photovoltaik ist nach wie vor eine Wachstumsbranche. Mit den Neueinstellungen reagieren wir auf die langfristigen Anforderungen und schaffen Arbeitsplätze mit Zukunft“, erläutert der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Klaus Gehrlicher den aktuellen Zuwachs an neuen Mitarbeitern.

Freitag, 27. März 2009

Conergy verschiebt Vorlage der Geschäftszahlen

Die Conergy AG hat die geplante Veröffentlichung ihres Geschäftsberichts für 2008 verschoben. Ursprünglich wollte das Hamburger Solarunternehmen am Freitag die Zahlen vorlegen. Man befinde sich noch in laufenden Verhandlungen mit wichtigen Lieferanten, teilte das Unternehmen offiziell als Begründung mit. Deren Ausgang habe noch wesentliche Auswirkungen auf das Jahresergebnis. Daher könne der Jahresabschluss derzeit nicht festgestellt werden, hieß es weiter. Conergy werde den neuen Veröffentlichungstermin kurzfristig mitteilen.
„Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat im 4. Quartal auch bei uns zu unvorhersehbaren Sonderbelastungen geführt. Die explosionsartige Strukturveränderung des Photovoltaik-Marktes, der Übergang vom Verkäufer- zum Käufermarkt vollzog sich in nur sechs bis acht Wochen. Hier haben wir – wie fast alle in der Industrie – durch die bestehenden Zulieferverträge nicht schnell genug reagieren können und lagen auch dadurch im Jahresergebnis 2008 unter unseren Erwartungen“, hatte der Vorstandsvorsitzende Dieter Ammer bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen für 2008 Anfang des Monats gesagt. In einem Jahr grundlegender Restrukturierungsmaßnahmen hat Conergy seinen Umsatz 2008 nach vorläufigen Zahlen um 40 Prozent auf 1006 Millionen. Euro (Vorjahr: 719 Millionen Euro) gesteigert. Wegen der hohen Belastungen im vierten Quartal sei das Ergebnis (EBIT) nicht wie angestrebt verbessert worden. Es liege mit -158 Millionen Euro deutlich unter den Erwartungen. Darin enthalten seien Sondereffekte sowie sonstige einmalige Aufwendungen in Höhe von 118 Millionen Euro unter anderem durch Währungsverluste, den Ramp Up in Frankfurt (Oder) und die laufende Restrukturierung, hieß es bei der Vorlage der vorläufigen Geschäftszahlen.

Nachverhandlungen mit MEMC

Von diesen Aufwendungen seien 81 Millionen Euro im vierten Quartal angefallen, wovon ein großer Teil durch die Finanzkrise bedingt ist. Dabei schlugen auch Abschreibungen in Höhe von 16 Millionen Euro auf Lagerbestände, bedingt durch einen unerwartet raschen und starken Modulpreisverfall, zu Buche, hieß es bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen. Conergy versuche derzeit den Vertrag mit MEMC nachzuverhandeln, sagt Analystin Anja Bohlen von der Landesbank Baden-Württemberg. Dieses Vorhaben könne durchaus erfolgreich sein. Es sei allerdings fraglich, ob dies zeitnah realisiert werden könne und damit noch in den Geschäftsbericht 2008 einfließen werde. Die Aktie von Conergy brach nach der Ankündigung weiter ein und tendierte zwischenzeitlich bis zu 18 Prozent im Minus.

Donnerstag, 26. März 2009

Phoenix Solar AG bestätigt Rekordergebnis für das Geschäftsjahr 2008

Der Aufsichtsrat der Phoenix Solar AG (Sulzemoos), ein im TecDAX notiertes international führendes Photovoltaik-Systemhaus, hat den nach International Financial Reporting Standards (IFRS) aufgestellten und testierten Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2008 gebilligt und damit die vorläufigen Zahlen bestätigt. Von Januar bis Dezember 2008 erzielte der Phoenix Solar Konzern demnach Gesamtumsatzerlöse von 402,5 Millionen Euro (Vorjahr: 260,1 Millionen Euro). Im Segment Photovoltaik-Komponenten & Systeme stieg der Umsatz auf 214,6 Millionen Euro (Vorjahr: 129,3 Millionen Euro); im Segment Solar-Kraftwerke auf 187,8 Millionen Euro (Vorjahr: 130,7 Millionen Euro). Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz wuchs von 27,1 Prozent im Jahr 2007 auf 39,7 Prozent im Jahr 2008. Somit erzielte der Konzern im Ausland einen Umsatz von 159,7 Millionen Euro (Vorjahr: 70,4 Millionen Euro).

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg auf 33,82 Millionen Euro (Vorjahr: 22,26 Millionen Euro). Die EBIT-Marge (Verhältnis von EBIT zu Umsatz) erreichte 8,4 Prozent im Geschäftsjahr 2008 (Vorjahr: 8,6 Prozent). Das Segment Komponenten & Systeme erzielte ein EBIT von 13,96 Millionen Euro und das Segment Kraftwerke von 19,86 Millionen Euro, was einer EBIT-Marge von 6,5 Prozent bzw. 10,6 Prozent entspricht.

Nach Steuern stieg das Konzernergebnis im Berichtszeitraum auf 23,70 Millionen Euro (Vorjahr: 14,48 Millionen Euro). Auf Basis der durchschnittlichen Anzahl von Aktien stieg das Ergebnis pro Aktie von 2,38 Euro auf 3,63 Euro (unverwässert) bzw. 3,62 Euro (verwässert). Die Eigenkapitalquote zum 31. Dezember 2008 lag bei 69,9 Prozent (Vorjahr: 61,4 Prozent).

Der Geschäftsbericht mit dem vollständigen Konzernabschluss 2008 erscheint am 23. April 2009 und kann auf der Internetseite des Unternehmens in der Rubrik Investor Relations, Finanzberichte, heruntergeladen werden.

Solarmodul-Hersteller aleo solar AG bestätigt vorläufige Zahlen 2008 und legt Geschäftsbericht vor

Die aleo solar AG (Oldenburg, Prenzlau) bestätigt mit dem am 26.03.2009 vorgelegten Geschäftsbericht für 2008 die bereits vorläufig gemeldeten Zahlen. Der Umsatz stieg demnach um fast 50 Prozent auf 360,5 Millionen Euro (Vorjahr: 242,1 Millionen Euro). Insgesamt wurden 49,3 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt (34,5 Prozent). Das EBIT stieg um über 50 Prozent auf 23,8 Millionen Euro (15,7 Millionen Euro). Die EBIT-Marge konnte auf 6,6 Prozent leicht angehoben werden und bleibt weiterhin solide (6,5 Prozent). Das Ergebnis je Aktie liegt bei 1,20 Euro (0,75 Euro). Fast das gesamte Jahr sei in den Produktionsstätten unter voller Auslastung produziert worden, berichtet das Unternehmen: So sei die Produktion von Solarmodulen von 88 Megawatt (MW) im Jahr 2007 auf 129 MW im Jahr 2008 gesteigert worden. Die Anzahl der Mitarbeiter im Konzern stieg zum Jahresende auf 798 (555).

Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2008 stimmen Jakobus Smit, den Vorsitzenden des Vorstands, sehr zufrieden: "Alle Ziele, die wir uns für 2008 vorgenommen hatten, wurden voll erreicht. So haben wir beispielsweise den Aufbau einer fast vollautomatischen neuen Produktionslinie im Stammwerk Prenzlau sowie eines modernen Hochregallagers fertig gestellt und konzernweit die Investitionen in die Kapazitätserweiterung größtenteils abgeschlossen. Damit werden uns ab dem Frühsommer 250 Megawatt Fertigungskapazität zur Verfügung stehen".


Photovoltaik-Markt wurde zum Käufermarkt; europaweiter Trend zum Aufdachanlagenmarkt

Insgesamt lassen sich laut Smit zwei Trends deutlich erkennen: "Zum einen ist 2008 das eingetreten, was wir vorhergesagt haben: Der Photovoltaik-Markt ist endgültig zum Käufermarkt geworden. Die Finanzkrise hat hier als Katalysator gewirkt. Zum anderen erkennen wir einen europaweiten Trend zum Aufdachanlagenmarkt. Die Veränderungen im spanischen Einspeisegesetz bedeuten, dass künftig auch in Spanien Photovoltaik-Anlagen auf Dächern stärker gefördert werden als Solarparks. Damit folgt Spanien Ländern wie Deutschland, Italien, Frankreich und Belgien. Mit unserer starken Marke, einem europaweiten eigenen Vertrieb und unserem Fachhändler-Netzwerk (aleo power network) sehen wir uns für diese Trends bestens gerüstet."

Für 2009 geht die aleo solar AG weiterhin von Wachstum aus. Uwe Bögershausen, Finanzvorstand der aleo solar AG, sagt: "Die Zielvorgabe für 2009 steht, wir wollen den Konzernumsatz auf mindestens 380 Millionen Euro steigern."

SolarWorld AG mit operativem Gewinnsprung 2008

Die SolarWorld AG hat im Geschäftsjahr 2008 Gewinn und Umsatz konzernweit
planmäßig gesteigert. Der Konzernumsatz stieg aufgrund größerer
Produktionskapazitäten und kräftiger Nachfrage im In- und Ausland um 30,6
Prozent bzw. 210,7 Mio. Euro auf 900,3 (Vorjahr: 689,6) Mio. Euro. Das
operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte um 31,1 Prozent
bzw. 61,9 Mio. Euro auf 260,8 (Vorjahr: 198,9) Mio. Euro. Der Konzerngewinn
wuchs um 31,3 Prozent bzw. 35,4 Mio. Euro auf 148,7 (Vorjahr: 113,3) Mio.
Euro an. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf die positive Entwicklung im
operativen Geschäft, die geringere Steuerbelastung infolge der
Unternehmenssteuerreform 2008 in Deutschland sowie auf den Erlös aus der
Veräußerung von 65 Prozent der Anteile an der Gällivare PhotoVoltaic AB
(GPV) in Höhe von 13,4 Mio. Euro zurückzuführen.

'Infolge unserer operativen Gewinnsteigerung wollen wir unsere Aktionäre
auch in diesem Jahr am Geschäftserfolg teilhaben lassen', sagte Dipl.-Ing.
Frank H. Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG. 'Vorstand und
Aufsichtsrat werden daher der Hauptversammlung eine auf 15 Eurocent erhöhte
Dividende vorschlagen.'

Im Geschäftsjahr 2008 konnte der Konzern seine internationale Expansion
erfolgreich fortsetzen. So stieg die konzernweite Auslandsquote im
Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte auf 54 (Vorjahr: 49) Prozent. Mit
der Inbetriebnahme eigener hochmoderner Produktionsstätten in Hillsboro/
USA und in Südkorea konnte der Konzern seine internationale Marktstellung
im Berichtsjahr deutlich ausbauen.

Mittwoch, 25. März 2009

Solar-Fabrik AG eröffnet hochmoderne Produktion in Freiburg

Der neue Standort steigert die Gesamtkapazität um 60 Megawatt (MW) auf insgesamt 130 MW und garantiert weiter steigende Qualität. „Bereits zum Jahresbeginn 2009 war nahezu die gesamte Produktionsmenge des Jahres verkauft“, erläutert Günter Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Solar-Fabrik AG. „Mit dem neuen Werk bedienen wir die wachsende Nachfrage unserer Kunden nach Qualitätsmodulen. Der hohe Automatisierungsgrad steigert Effizienz und Produktivität und erlaubt eine weitere Erhöhung der Qualitätsstandards.“



Die neue Halle bietet mit 15.000 m2 genügend Raum für einen Ausbau auf bis zu 200 MW Kapazität. In der ersten Ausbaustufe wurden 60 MW realisiert. Im Werk III entstehen zunächst 60-70 Arbeitsplätze. Der weitere Ausbau ist für das kommende Jahr ins Auge gefasst. Das neue Werk im Freiburger Industriegebiet Hochdorf ist für den Vorstand der Solar-Fabrik AG ein klares Bekenntnis zum Standort Freiburg.



Bei der neuen Fertigungslinie kommt modernste Technologie zum Einsatz. „Wir haben das Konzept für die Linie zusammen mit einem der Marktführer bei vollautomatischen Produktionsanlagen für die Photovoltaik entwickelt“, erklärt Andreas Blochel, Leiter Fertigungs- und Prozesstechnologie: „Alle Bestandteile der Linie sind state of the art. Wir setzen auf die Zusammenarbeit mit Weltmarktführern, deren Anlagen sich in der Solar-Fabrik bereits bewährt haben.“



Technologische Neuerungen sind u.a. eine automatische Querverlötung sowie ein innovatives Anschlussdosenkonzept. Die Steuerung der Fertigungsanlage erfolgt über ein Manufacturing Execution System, über das alle Betriebs-, Prozess- und Materialverbrauchsdaten online abrufbar sind. Durch das automatisierte Handling der empfindlichen Solarzellen sinkt die Bruchrate. Eine erhöhte Taktzahl, kürzere Durchlaufzeiten, höhere Prozess- und Prüfsicherheit steigern die Produktivität. Die vollintegrierte Lagertechnik mit zahlreichen Verladerampen bietet Kunden und Lieferanten schnellen und sicheren Abwichklungsservice.

Solarworld rechnet mit billigerem Solarstrom

Solarstrom wird in drei Jahren zum gleichen Preis wie Haushaltsstrom angeboten werden, erwartet Solarworld-Chef Frank Asbeck. "Verbilligen sich die Solaranlagen weiterhin jedes Jahr um acht bis zwölf Prozent, und damit rechne ich fest, sind wir 2012 wettbewerbsfähig zum Haushaltsstrom", sagte Asbeck dem Magazin "Wirtschaftswoche".

Sein Unternehmen werde innerhalb der nächsten drei Jahre sein Paket mit einer Batterie anbieten, die den überschüssigen Tagesertrag für die Nacht speichere. "Solarstrom steht dann zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Verfügung. Der Vorwurf der Unzuverlässigkeit ist dann vom Tisch", versprach Asbeck.

BVA-Solar

Von Strukturproblemen wie in der Autoindustrie sind die Regenerativen als Jobmotor und Zukunftstechnologie weit entfernt. Dennoch holt die internationale Wirtschaftskrise die Branche auf den Boden der Tatsachen zurück. Aufgrund von Verlusten und fehlender Refinanzierungsmöglichkeiten legen die Banken die Latte höher, fordern mehr Eigenkapital, höhere Risikoabschläge und halten sich bei großen Vorhaben zurück.

Da Regenerativprojekte lange Vorlaufzeiten haben, werden die Auswirkungen voraussichtlich erst ab Mitte des Jahres richtig sichtbar werden. Dann wird sich zeigen, ob Projektierer in ernste Finanzschwierigkeiten kommen und ob die Errichtung von Wind- oder Solarparks möglicherweise hieran scheitert. Experten erwarten auf jeden Fall eine Marktbereinigung in der Branche der erneuerbaren Energien. Trotzdem ist die Bereitschaft, in den Klimaschutz zu investieren, ungebrochen. Denn Wind und Sonne sind trotz Finanzkrise ebenso vorhanden wie die Einsicht, in den Klimaschutz investieren zu müssen, meint Markus Stöhr, Vorstand der Solid Kapital AG.

Freitag, 20. März 2009

Photovoltaik: Rückgang der Modulpreise setzt sich fort

Greentech Media und das Prometheus Institut prognostizieren für 2009 das geringste Marktwachstum der Solarbranche seit 1994, dennoch wird die sogenannte Netzparität (Grid Parity) bereits 2009 in einigen preissensiblen Märkten erreicht werden.

München, 19.März 2009 - Die Solarbranche befindet sich an einem Wendepunkt: Erstmals in ihrer Geschichte übersteigt das Angebot der Module die Nachfrage. Das führt dazu, dass sich der Markt innerhalb weniger Monate von einem Verkäufermarkt zu einem Käufermarkt gewandelt hat. Was den Endverbraucher freut, stellt die Photovoltaik-Industrie jedoch vor unternehmerische Herausforderungen. Fundierte Kenntnisse über die Entwicklung der Märkte sind daher gerade jetzt notwendig, um sicher agieren und die aktuelle Situation meistern zu können.

Datenmaterial als Basis eines einzigartigen Reports
Die Report-Serie „The Anatomy of a Shakeout“ besteht aus zwei sich ergänzenden Marktforschungsberichten: „PV Production, Technology and Cost, 2009 Forecast“ und „2009 Global PV Demand Analysis and Forecast“, die auf einer bis heute einzigartigen Research-Methode basieren. Angebot und Nachfrage können detailliert abgebildet werden, aus den ermittelten Daten werden wiederum akkurate Markt-Prognosen erstellt.

Die Studie geht damit weit über die üblichen Produktions- und Kapazitätsprognosen hinaus. Die Bottom-up-Betrachtung der gesamten Photovoltaik-Wertschöpfungskette untersucht die Herstellungskosten verschiedener Unternehmen nach Regionen und Technologien in einer datenorientierten Analyse. Dieses Verfahren ermöglicht die Darstellung einer Angebotskurve, die die exakte Wettbewerbsposition eines jeden Unternehmens sowie jeder Technologie im Zeitraum von 2008 bis 2015 aufzeigt. Die Daten liefern wertvolle Hinweise für die strategische Ausrichtung der Unternehmen der gesamten Photovoltaikindustrie.

„2009 Global PV Demand Analysis and Forecast“
Wesentliche Ergebnisse im Überblick:

  • Der durchschnittliche Verkaufspreis für Module wird bis 2009 unter US $ 2,50 pro Watt und bis 2010 sogar unter US $ 2,0 pro Watt fallen, da der Preisdruck der Nachfrageseite Unternehmen dazu zwingen wird, die Preise zu senken.
  • Absatzprobleme auf deutschen und spanischen Märkten in Verbindung mit der globalen Rezession und ihrer Auswirkung auf Kreditgewährung, Projektfinanzierung und Regierungszuschüsse werden die Nachfrage nur um 13% auf 5 GW in 2009 ansteigen lassen. 2009 wird in dieser Branche somit das Jahr mit dem geringsten Wachstum seit 1994 sein.
  • Der Marktumfang wird um 15% auf 12 Milliarden US $ in 2009 schrumpfen und bis 2012 nur relativ gering wachsen.
  • In der Branche wird sich kurzfristig ein von asiatischen multikristallinen und CIGS- Solarzellenherstellern dominierter Markt herausbilden, mit stabilen Marktanteilen der CdTe- und monokristallinen Solarzellenhersteller. Bis 2012 wird die Hälfte des Branchenwachstums auf Dünnschichtmodule entfallen.
  • Die Netzparität (Grid Parity) wird in einigen Märkten bereits 2009 erreicht werden. Damit rücken die durchschnittlichen Stromgestehungskosten und der Verkaufspreis pro kWh als vorrangige Messgrößen für die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller in den Vordergrund.

„PV Production, Technology and Cost, 2009 Forecast“
Wesentliche Ergebnisse im Überblick:

  • Die globalen Modulkapazitäten werden bis 2012 auf 27.5 GW ansteigen. Der Dünnschichtmarkt wird von 13% in 2007 auf 34% in 2012 an Marktanteilen gewinnen.
  • Die C-Si-Modulkosten werden sich bis 2015 auf US $ 1,40 per Watt halbieren; die Kosten für CIGS Module werden im gleichen Zeitraum auf US $ 0,75 per Watt fallen.
  • Dramatisch abfallende Preise in 2009 werden sich auf die Hauptakteure auswirken. Monokristallin- und Dünnschichttechnologie-Hersteller werden einen 30%-igen (Effizienz-bereinigten) Kostenvorteil über traditionell produzierende multikristalline Hersteller verbuchen.
  • Asiatische Unternehmen werden die weltweite Versorgung des Kristallin-Siliziumzellen Marktes bis 2012 zu 82% übernehmen. Dies wird ihnen einen erheblichen Vorteil gegenüber europäischen Produzenten verschaffen.


Greentech Media: Greentech Media ist ein integriertes Medien- und Marktforschungsunter-nehmen im Bereich der erneuerbaren Energien. Weltweit renommierte Solar-analysten publizieren unter GTM Research umfassende und datenreiche Marktberichte zu aktuellen Themen, als Datengrundlage für die strategische Ausrichtung der Unternehmen der Industrie. Im Bereich Research arbeitet Greentech Media eng mit dem Prometheus Institut for Sustainable Development und dessen Gründer, Travis Bradford, zusammen. Das Prometheus-Institut ist mit fast 30 Jahren Erfahrung in der Marktforschung im Bereich der Solarenergie das bekannteste und am meisten geschätze Forschungsinstitut, weit über Amerika hinaus. Neben monatlichen Veröffentlichungen wie dem PV Newsletter publiziert Greentech Media laufend neue Forschungsberichte zu aktuellen Themen der Solarbranche. Darüber hinaus ist Greentech Media in der Konferenzorganisation tätig und versorgt die Branche über die Internetseite www.greentechmedia.com mit aktuellen News rund um die Themen Smart Grid, Solar PV, Green IT und Biofuels. Vom 27. bis 29 Mai 2009 präsentiert sich Greentech Media in Halle 3, Stand 360, auf der Intersolar in München.

Studie: Deutscher Photovoltaik-Markt verliert massiv an Bedeutung

Der Photovoltaik-Markt in Deutschland wird nach einer Analyse der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner in den kommenden Jahren an Wachstumsdynamik verlieren. Bis 2020 wird sein Anteil am Weltmarkt bei deutlich weniger als zehn Prozent liegen.
Die Münchner Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner prognostiziert dem deutschen Photovoltaik-Markt einen drastischen Bedeutungsverlust. Nach dem Rekordjahr 2008 und zweistelligen Wachstumsraten müssten Unternehmen ihre Prognosen erstmals nach unten korrigieren. Es werde eine Nachfrageverschiebung weg von Deutschland hin zu internationalen Märkten geben, so die Unternehmensberater. Der deutsche Markt werde zwar auch weiter wachsen, aber wegen der sinkenden Einspeisevergütung deutlich an Dynamik verlieren. Im Jahr 2020 wird der Anteil Deutschlands am globalen Photovoltaik-Markt bei deutlich weniger als zehn Prozent liegen, wie der Marktüberblick von Wieselhuber & Partner ergab. Demnach werden ostasiatische Länder, die USA und Australien Deutschland bis dahin überflügeln. Der derzeitige Anteil Deutschlands liege bei knapp 50 Prozent.
Der stark fragmentierten Photovoltaik-Branche stehe ein Konzentrationsprozess bevor, der durch die sinkende Investitionsbereitschaft wegen der Finanzkrise noch verstärkt werde, schreiben die Unternehmensberater. Erstmals werde es wegen des enormen Kapazitätsausbaus ein starkes Überangebot am Markt geben und damit ein „echter Markt“ in der Photovoltaik-Industrie entstehen. Zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit seien die Photovoltaik-Firmen gezwungen, radikale Maßnahmen zu ergreifen. Die Unternehmen müssten sich ab sofort auf eine klare Wettbewerbsdifferenzierung, Kostensenkungen sowie Effizienzsteigerungen konzentrieren. Des weiteren sollten die Firmen ihr Marketing und ihren Vertrieb professionalisieren sowie Kostenoptimierung und Flexibilisierung entlang der Wettschöpfungskette erzielen, um die Konsolidierung des Marktes erfolgreich zu überstehen, schreiben die Unternehmensberater in ihrem Marktüberblick weiter.

Sonntag, 15. März 2009

41,1% Wirkungsgrad für Mehrfachsolarzellen am Fraunhofer ISE

Forscher am Fraunhofer-Institut für Solar Energiesysteme ISE haben für die Umwandlung von Sonnenlicht in elektrischen Strom erstmals einen Wirkungsgrad von 41,1% erzielt. Hierzu wurde das Sonnenlicht 454-fach auf eine 5 mm2 kleine, sogenannte Mehrfachsolarzelle aus den III-V-Halbleitern GaInP/GaInAs/Ge (Gallium-Indium-Phosphid/Gallium-Indium-Arsenid/Germanium) konzentriert.

»Wir sind mehr als glücklich über diesen Durchbruch«, sagt Dr. Frank Dimroth, Leiter der Arbeitsgruppe III-V-Epitaxie und Solarzellen am Fraunhofer ISE. »Das ganze Team hat zu jeder Zeit an unser Konzept der metamorphen Dreifach-Solarzelle geglaubt und den Erfolg durch seine langjährige engagierte Arbeit ermöglicht«.

Am Fraunhofer ISE werden seit 1999 so genannte metamorphe Mehrfachsolarzellen, eine spezielle Art der Solarzellen aus III-V-Halbleiterkombinationen, entwickelt. Es handelt sich dabei um Zellen aus Ga0.35In0.65P/Ga0.83In0.17As auf GaAs- oder Ge-Substraten. Diese Materialien sind besonders optimal für die Umwandlung von Sonnenlicht in Strom geeignet, sie lassen sich aber nur mit Hilfe eines Tricks – des metamorphen Wachstums – miteinander kombinieren. Der Grund ist, dass im Gegensatz zu herkömmlichen Mehrfachsolarzellen ihre Struktur so beschaffen ist, dass die Halbleiter nicht denselben Abstand der Atome im Kristall, die sogenannte Gitterkonstante, besitzen. Dies erschwert das Wachstum von III-V Halbleiterschichten mit hoher Kristallqualität, da sich an den Übergängen von Materialien mit unterschiedlicher Gitterkonstante Spannung bildet, die zur Ausbildung von Versetzungen und anderen Kristalldefekten führt. Den Forschern am Fraunhofer ISE ist es jetzt gelungen, dieses Hindernis zu überwinden. Sie konnten die Defekte in einem Bereich der Solarzelle lokalisieren, der nicht elektrisch aktiv ist. So bleiben die aktiven Bereiche der Solarzelle weitgehend defektfrei - eine Voraussetzung für das Erreichen höchster Wirkungsgrade. Prof. Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer ISE, meint dazu: »Dies ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie die Kontrolle von Kristalldefekten in Halbleitern zu einem Durchbruch in der Technologie führt.«

Dieses metamorphe Kristallwachstum erlaubt es den Forschern nun, einen weitaus größeren Bereich an III-V Halbleiterverbindungen für das Wachstum ihrer Mehrfachsolarzellen zu nutzen. Bei diesen höchsteffizienten Strukturen ist es entscheidend, das Sonnenspektrum durch eine geeignete Wahl der das Sonnenlicht absorbierenden Materialien in drei gleich große Spektralbereiche aufzuteilen. So generieren alle Teilzellen den gleichen Strom. Dies ist ein wichtiges Argument für eine seriell verschaltete Solarzelle, in der der Strom des Bauelements letztlich immer durch den kleinsten Strom einer Teilzelle limitiert wird. Durch die Wahl der metamorphen Ga0.35In0.65P/ Ga0.83In0.17As/Ge Materialien konnte erstmals eine Solarzellenstruktur gewählt werden, welche unter dem terrestrischen Sonnenspektrum exakt stromangepasst ist. Dies macht die Struktur für die solare Energieumwandlung so effizient – ein wichtiger Grund für das Erreichen der hohen Wirkungsgrade. Bei 454-facher Sonnenlichtkonzentration erreichten die Freiburger Forscher den Weltrekord von 41,1% Wirkungsgrad. Selbst bei noch höherer, 880-facher Sonnenkonzentration konnten sie immer noch eine Effizienz von 40,4 % messen.

Die hocheffizienten Mehrfachsolarzellen finden ihren Einsatz in photovoltaischen Konzentratorsystemen für Solarkraftwerke in Ländern mit viel direktem Sonnenlicht. Das Fraunhofer ISE arbeitet zusammen mit den Firmen Azur Space in Heilbronn sowie Concentrix Solar GmbH in Freiburg, um die neue Technik so schnell wie möglich konkurrenzfähig zu machen. »Die hohen Wirkungsgrade unserer Solarzellen sind der effektivste Weg, die Stromgestehungskosten für konzentrierende Photovoltaiksysteme zu senken« so Dr. Andreas Bett, Abteilungsleiter am Fraunhofer ISE »Wir wollen erreichen, dass die Photovoltaik so schnell wie möglich mit herkömmlichen Verfahren der Stromerzeugung konkurrieren kann – hier sind wir mit unseren neuen Ergebnissen einen guten Schritt voran gekommen!«

Die Forschung an III-V Mehrfachsolarzellen für die konzentrierende Photovoltaik wurde am Fraunhofer ISE in den vergangenen 15 Jahren zunächst durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dann auch durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziell unterstützt. Auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) trug mit mehreren Doktoranden-Stipendien zum Erfolg bei.

Billiger Wasserstoff aus Müll

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein – Forscher arbeiten schon seit einigen Jahren an der Idee: Nahrungsmittelreste und Abwasser werden mit einigen speziell gezüchteten Bakterien versetzt, um Wasserstoff zu erzeugen, der sich dann beispielsweise in Fahrzeugen als sauberer Treibstoff verwenden lässt.

Mithilfe einer wenig aufregend aussehenden Bürstenstruktur aus rostfreiem Edelstahl sollen diese so genannten mikrobiellen Elektrolysezellen, kurz MECs, nun eine wichtige Hürde zur Marktreife nehmen. Die Erfindung kann als Ersatz für teures Platin verwendet werden, das normalerweise in der Kathode der MEC steckt. Die Kosten sinken damit um mehr als 80 Prozent.

Wasserstoff gilt als reizvolle und umweltfreundliche Treibstoffalternative, weil er bei der Nutzung nur Wasser als Nebenprodukt erzeugt. MECs nutzen die Elektronen, die von bestimmten Mikroorganismen erzeugt werden, während diese sich an biologisch abbaubaren Stoffen gütlich tun. Dieser Verdauungsprozess läuft auf einer Anode ab, die sich in einer sauerstofflosen Kammer befindet. Da sie nicht mit Sauerstoff reagieren können, wandern die Elektronen von der Anode zu ihrem Gegenstück, der Kathode, wo sie dann mit Protonen kombiniert werden und Wasserstoff bilden.

Bereits Ende 2007 zeigte ein Team, das von Bruce Logan von der Pennsylvania State University geleitet wird, wie sich die Effizienz dieses Prozesses stark erhöhen lässt: Durch einen kleinen elektrischen Impuls von 0,25 Volt, der auf die Kathode gegeben wird. Bislang benötigten die Forscher um den Professor für Umweltingenieurwesen jedoch noch einen teuren Platinkatalysator dafür. "Die Notwendigkeit des Edelmetalls hat dazu geführt, dass die Entwicklung der Technik bislang nur schrittweise verlief. Nun haben wir aber einen Weg gefunden, sie ohne Platin zu nutzen", sagt der Wasserstoffexperte.

Verglichen mit Platin, das als wirkungsgradstarker Katalysator arbeitet, wenn es in einer dünnen Schicht auf ein flaches Stück Kohlenstoffgewebe aufgebracht wird, ist ein einfaches Stück Edelstahl um zwei Drittel weniger effizient. Durch die Erhöhung der Oberfläche der Edelstahlkathode lässt sich der Wirkungsgrad aber ebenfalls erhöhen: Das Material wurde so angeordnet, dass es einen Bürstenstruktur mit Borsten hoher Dichte bildete. So wurde die Wasserstoffproduktion auf ein Niveau angehoben, das die Platinvariante erreichte und sogar überholte. Auch finanziell lohnt sich das: Während die Platinkathode im Versuchsaufbau rund 15 US-Cent kostet, zahlten die Forscher für die Stahlvariante gerade einmal 3.

Logan hofft, dass eine weitere Verbesserung der Chemie der Bürstenstruktur die Resultate sogar noch weiter verbessern kann. "Wir wissen nun schon, welche Stahlsorten besonders gut arbeiten. Außerdem wollen wir Wasserstoffbläschen, die zwischen den Borsten gefangen werden, minimieren, weil so das Einfangen des Gases gestört wird."

Außerdem sei eine große Oberfläche nicht alles: Eine Bürstenstruktur aus Kohlenstoff mit einer sogar noch größeren Oberfläche arbeitete 14 Mal schlechter als ein nackter Stahlbürstenkern. Schnitten die Forscher die Stahlbürstenstruktur in zwei Hälften, um die zwei Elektroden näher zueinander zu bringen, steigerte sich der Wirkungsgrad sogar noch über den der "großen" Variante – trotz der Halbierung der Oberfläche.

Lars Angenent, Dozent für Bio- und Umwelttechnik an der Cornell University, meint, dass die Technik trotz der beachtenswerten Experimentalergebnisse bei weitem noch nicht kommerziell nutzbar sei. Der Effekt, der sich bei veränderter Elektrodenanordnung zeige, bedeute einen Rückschlag für die MECs. "Ich halte dieser Arbeit für wunderbar, doch die nächste Frage, die sich mir stellt, ist gleich, ob man die Technik wirtschaftlich hochskalieren könnte." In einem größeren System sei es schwierig, Ionen durch eine Flüssigkeit zwischen Kathode und Anode zu bewegen. Dadurch komme dann weniger Wasserstoff pro Volumeneinheit heraus.

Patrick Hallenbeck, Professor für Bakteriologie an der Universität von Montreal, gibt Angenent Recht, dass die Skalierung ein Problem darstellen könnte. Er ist aber trotzdem optimistisch, dass das Ende der Platinära die MCE-Idee deutlich zukunftsfähiger macht. "Logans Gruppe hat gezeigt, dass sich das Platin problemlos durch Edelstahl ersetzen lässt. Damit fällt eine wichtige Barriere." Entsprechende Konzepte seien doch erst vor vier Jahren erstmals beschrieben worden. "Seither gab es riesige Fortschritte. Weitere Entwicklungen könnten die praktische Umsetzbarkeit der MCEs bald Realität werden lassen."